Bausparen

Der Bausparvertrag ist in Deutschland ein beliebtes und weit verbreitetes Finanzprodukt. Knapp 27 Millionen Verträge zählte die Bundesbank Anfang 2019. Rechnerisch haben etwa drei Viertel der deutschen Haushalte einen solchen Vertrag. Das bedeutet aber nicht, dass sich diese Verträge immer lohnen. Vielmehr gibt es bestimmte Situationen, in denen ein Bausparvertrag eine sinnvolle Lösung ist – und andere, bei denen andere Finanzprodukte sich entweder besser verzinsen, kostengünstiger oder flexibler sind.

Was ist ein Bausparvertrag?

Bausparen beruht auf einem Kollektivgedanken: Alle Bausparer einer Kasse zahlen in einen Topf ein, über den die Ein- und Auszahlungen abgewickelt werden. Nur deshalb können die Zinsen über so lange Zeit im Voraus garantiert werden. Ähnlich wie bei Banken gibt es öffentlich-rechtliche und private Bausparkassen.

Mit einem Bausparvertrag lässt sich der Bau oder Kauf einer Immobilie finanzieren, ihre Modernisierung oder auch der Umbau. Dazu werden zwei Verträge kombiniert: ein Sparplan und ein Immobiliendarlehen. In der Sparphase ist der Zins meist geringer als marktüblich, dafür ist aber auch das Bauspardarlehen günstiger.

Zunächst wird die Bausparsumme festgelegt. Sie entspricht dem Betrag, den der Sparer in seine Immobilie investieren will. Beim Kauf oder Bau einer Immobilie macht der Bausparvertrag meist nur einen Teil der gesamten Finanzierung aus. Nach Angaben des Verbands der privaten Bausparkassen lag die durchschnittliche Bausparsumme bei Neuverträgen im Jahr 2017 bei 49.900 Euro.

Zunächst muss der Kunde einen Teil dieser Summe ansparen, in der Regel 30 bis 50 Prozent. Nach einer gewissen Zeit – beispielsweise zehn Jahren – ist der Vertrag dann „zuteilungsreif“. Das bedeutet, dass der Sparer das Darlehen für die Baufinanzierung in Anspruch nehmen kann. Das Geld muss für sogenannte wohnwirtschaftliche Zwecke ausgeben werden, wie im Bausparkassengesetz (BauSparkG, §1 Abs. 3) festgelegt ist.

Bei der Zuteilung eines Vertrags muss sich der Bausparer aber nicht unbedingt für das Darlehen entscheiden. Er kann auch nur die Auszahlung seines Bausparguthabens beantragen. Dann endet der Vertrag. Die dritte Möglichkeit ist es, nach der Zuteilung einfach weiter zu sparen. Dann verringert sich zwar der Darlehensanspruch im Laufe der Zeit, gleichzeitig verzinst sich aber das Guthaben weiter. Gerade bei gutverzinsten Altverträgen ist dies für den Bausparer eine interessante Möglichkeit. Zehn Jahre nach der Zuteilung hat die Bausparkasse dann allerdings ein Kündigungsrecht.

Für einen Bausparvertrag fallen Kosten an, und zwar meist eine Abschlussgebühr und Kontoführungsgebühren. Die Abschlusskosten liegen allgemein zwischen 1,0 und 1,6 Prozent der Bausparsumme – bei einer Bausparsumme von 50.000 Euro werden also mindestens 500 Euro fällig. Außerdem zahlen Sie meist jährliche Kosten für das Konto von bis zu 24 Euro pro Jahr.

Der Bausparvertrag wird oft als „Allroundprodukt“ angeboten – geeignet sowohl für Sparer, zukünftige Finanzierer oder auch für Unentschlossene. Für die meisten lohnt er sich aber nur als eine Versicherung gegen steigende Bauzinsen. Bei kleinen und mittleren Einkommen verbessert die staatliche Förderung zudem die Rendite des Vertrags.

Welche Vorteile bietet mir ein Bausparvertrag?

Eins muss man ganz klar sagen: Zum Sparen lohnt sich ein Bausparvertrag aktuell überhaupt nicht, da er zurzeit kaum Zinsen mitbringt. Da fahren Sie mit anderen Geldanlagen besser. Doch jetzt kommt das große Aber: Für Immobilienbesitzer oder solche, die es werden wollen, bietet er sehr große Vorteile.

Die größten Pluspunkte für Immobilienkäufer:

  1. Die Ansparphase kann man aufgrund der niedrigen Zinsen zwar vernachlässigen, aber danach erhalten Sie einen sehr zinsgünstigen Bausparkredit für Ihre Baufinanzierung.
  2. Das Bauspardarlehen bietet nicht nur sehr niedrige Zinsen, Sie können jederzeit Sondertilgungen tätigen und es bei manchen Tarifen sogar ohne Kündigungsfrist komplett ablösen. Bei einem normalen Annuitätendarlehen ist das kaum möglich, hier können Sie pro Jahr nur begrenzt kostenlos sondertilgen, und eine komplette Ablösung ist normalerweise vor Ablauf der vereinbarten Zinsbindung überhaupt nicht vorgesehen. Durch seine Flexibilität reduziert der Bausparvertrag in der Darlehensphase das Zinsänderungsrisiko für Sie erheblich.
  3. Zu einem Bausparvertrag können Sie vermögenswirksame Leistungen von Ihrem Arbeitgeber dazu erhalten, und der Staat gibt Ihnen – sofern Sie bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten – Arbeitnehmersparzulage und Wohnungsbauprämie dazu.

Die größten Pluspunkte für Immobilienbesitzer:

  1. Für Immobilienbesitzer ist die Ansparphase trotz niedriger Guthabenverzinsung interessant, weil Sie den Sparvertrag als Instandhaltungsrücklage nutzen können. Das, was Sie bereits angespart haben, lässt sich nämlich in selber Höhe sehr günstig beleihen, wenn mal Not am Mann ist. Oder Sie schließen mehrere, kleine Bausparverträge hintereinander ab, die in Intervallen zuteilungsreif werden, und nutzen die dazu gehörenden, günstigen Bauspardarlehen für kommende Modernisierungen. So können Sie der nächsten Dachreparatur ganz entspannt entgegen sehen.
  2. Mit Bausparverträgen haben Sie immer Sicherheiten und damit ein Ass im Ärmel. Dass Banken eine Finanzierung nachbesichern wollen, kann vorkommen. Zum Beispiel, wenn Sie Ihre Baufinanzierung ohne Eigenkapital gestaltet haben und der Wert Ihrer Immobilie danach gesunken ist. Dann kann es passieren, dass er der Bank nicht mehr ausreicht, um die Finanzierung wie gehabt fortzuführen. Dann klopft sie bei Ihnen an und möchte mehr Sicherheiten sehen. Haben Sie parallel zu Ihrer Baufinanzierung einen oder mehrere Bausparverträge bespart, können Sie nun etwas vorweisen.
    Wie Sie sehen – es spricht immer noch eine Menge für den guten, alten Bausparvertrag. Sprechen Sie mit Ihrem Berater darüber, welche Möglichkeiten er Ihnen noch zu bieten hat und lassen Sie sich unverbindlich Angebote zukommen.
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